Krieg, Gewalt, Unterdrückung

Osteuropa war im gesamten 20. Jahrhundert eine besonders stark von Krieg, Gewalt und Unterdrückung geprägte Region. Zu Beginn und zum Ausklang des 20. Jahrhunderts standen kriegerische Auseinandersetzungen auf dem Balkan, in deren Verlauf der Unterschied zwischen Kombattanten und Zivilisten schnell verwischte. Dazwischen übten zwei Weltkriege und zwei benachbarte totalitäre Großmächte großen Einfluss auf die konfliktreiche Geschichte der Region aus.
Im Windschatten der in die Region getragenen Kriege und des Zusammenbruchs der bestehenden Vorkriegsordnungen wurden ethnische, soziale und nationale Gegensätze aufgegriffen, neu konstruiert und gewaltsam ausgefochten. Die Zweifrontenkriege alten Musters zerfielen bald in viele Kriegsschauplätze, in denen bürgerkriegsähnliche Verhältnisse herrschten.
In der Zeit zwischen den genannten Kriegen ist in Ostmitteleuropa die Herausbildung autoritärer Staaten zu beobachten. Sie setzten ihren Machtanspruch gewaltsam gegen politische Gegner und gegen Gruppen durch, die aus ethnischen, nationalen oder sozialen Gründen als Feinde stigmatisiert wurden. Sie selbst wiederum wurden von den verschiedensten Gruppen mit subversiven oder terroristischen Mitteln bekämpft.
Der Projektbereich Krieg, Gewalt, Unterdrückung erforscht in diesem Zusammenhang die Gewalt, die von außen, bzw. oben durch kriegsführende Mächte und autoritäre Regime auf die Gesellschaften Osteuropas ausgeübt wurde. Ebenso werden die zwischen ethnischen, sozialen und nationalen Gruppierungen gewaltsam ausgetragenen Konflikte und die Beziehung beider Gewaltphänomene zueinander untersucht.
Zu fragen ist nach dem Stellenwert und der Legitimität von Gewalt in der betrachteten Region. War sie ein legitimes Mittel der Auseinandersetzung, ein Teil der politischen Kultur? Wann wurde auf extreme Gewalterfahrungen - als nachahmenswertes oder abschreckendes Beispiel - Bezug genommen, um Gewalt auszuüben oder einzuhegen? Wie überdauern Gewalterfahrungen längere Perioden und sind dann später abrufbar?
Der Projektbereich Krieg, Gewalt, Unterdrückung verfolgt eine transnational vergleichende Perspektive, die die vielen Nuancen und Unterschiede gleichermaßen berücksichtigt.