Umbrüche zur Moderne

Der Projektbereich Umbrüche zur Moderne umfasst das breite Feld sozialer, ökonomischer und kultureller Entwicklungen in Ostmitteleuropa im 20. Jahrhundert. Der Schwerpunkt liegt auf der Fragestellung, wie die Moderne von ihren Zeitgenossen erfahren wird, was ihre ostmitteleuropäischen Spezifika sind und wer die Hauptakteure ihrer Entwicklung sind. Zu fragen ist weiterhin, wie die Schwierigkeiten der Region erklärt werden können, dem westlichen Weg der Moderne zu folgen und wie Modernisierungsdiskurse in den Öffentlichkeiten der Region thematisiert wurden.
Das Forschungsprojekt konzentriert sich dabei auf die Veränderung von Lebensstilen, die Entwicklung von Stadt und Land, Transport und Kommunikation, sowie den Wandel von Arbeit und Bildung, das Geschlechterverhältnis, die sich verändernden Diskurse über Körper und Gesundheit und intellektuelle Diskurse über Moderne. Einen Schwerpunkt wird die Frage darstellen, ob der Staat generell und der sozialistische Staat insbesondere zur Modernisierung beigetragen oder diese gehemmt haben.
Auch der Projektbereich Umbrüche zur Moderne verfolgt einen transnationalen und komparativen Ansatz. So soll versucht werden, die vorherrschenden überkommenen nationalen Sichtweisen aufzubrechen. Ziel ist es, die gemeinsamen Entwicklungslinien in der Region und wichtige und zentrale Unterschiede herauszuarbeiten.
Schwerpunkte sind zum einen die Zwischenkriegszeit als eine Periode des fehlgeschlagenen Versuchs, den westlichen Weg zur Moderne zu imitieren, und zum anderen die Periode des Staatssozialismus als der Zeit, in der ein radikal anderer Weg eingeschlagen wurde als im Westen.
Das Forschungsprojekt Umbrüche zur Moderne wird nicht ausschließlich die Makroebene analysieren, sondern anhand exemplarischer Fallstudien zu spezifischen Orten der Moderne (neue Städte, neue Technologien etc.) auch die Mikroebene berücksichtigen. Ein weiterer Akzent wird auf der Krise der industriellen Moderne (z.B. Umweltzerstörung) und den Übergängen zur post-industriellen Moderne liegen. Das Projekt ist eine Gelegenheit, die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Region als hoch spezifisches Phänomen zu begreifen, das wiederum differenzierende Reflexionen über westliche Entwicklungsmuster befördern wird.