Intellektuelle Horizonte

Der Projektbereich Intellektuelle Horizonte deckt ein breites inhaltliches Spektrum ab. Schwerpunkte sind etwa eine sozial- und begriffsgeschichtliche ausgeprägte Elitengeschichte der Intellektuellen als Gruppe, die Beziehung zwischen Intellektuellen und Politik und deren Haltung zu den verschiedenen gesellschaftlichen Homogenisierungsprojekten im 20. Jahrhundert. Auch Literatur- und Bildgeschichte, die Rolle und Entwicklung religiöser Sinnstiftungen und Interpretationsansätze fallen in diesen Bereich, ebenso wie die Deutung der vielfältigen Verbindungen zwischen ostmitteleuropäischen Intellektuellen und der weiteren Welt.
Neben überblicksartigen Darstellungen dieser zentralen Problemfelder, liegt der Schwerpunkt auf der Erforschung neuer spezifischerer Themen. Untersucht werden unter anderem Hauptakteure, einflussreiche Kreise, wichtigste Strömungen und bedeutende Werke der Intelligenzija des östlichen Europas. Ebenso werden intellektuelle Kontroversen und Debatten in der Region untersucht und grundsätzliche gegenseitige Abgrenzungen der verschiedenen Gruppierungen voneinander.
Der Projektbereich Intellektuelle Horizonte verfolgt weder einen regionalen Ansatz, welcher nationale Beispiele als grundsätzlich ähnlich darstellen würde, noch einen nationalistischen, in dem der Partikularismus der einzelnen nationalen Angelegenheiten die Strukturierung des Materials und des Forschungsansatzes bestimmen würde. Vielmehr wird ein transnationaler und vergleichender Ansatz der genannten Themenfelder verfolgt. Dies stellt in einer Region mit so vielfältigen Unterschieden und ohne strenge institutionelle Mechanismen der Integration, eine besondere Herausforderung dar.
Das Gesamtprojekt bietet nicht nur die Möglichkeit, die oft unterschätzte Vielfalt lokaler Intellektuellenkulturen zu erforschen, sondern wird auch die derzeitige Unterrepräsentation ostmitteleuropäischer Traditionen in der gesamteuropäischen Wahrnehmung korrigieren.