Prof. Dr. György Majtényi

Curriculum Vitae

György Majtényi ist von März bis August 2017 Fellow am Imre-Kertész-Kolleg Jena. Er ist Sozialhistoriker und Professor an der Károly Eszterházy Universität. Von 2010 bis 2011 war er als Leiter des ungarischen Nationalarchivs tätig. 2010 wurde er habilitiert und im Jahr 2004 wurde er von der Eötvös Lóránd Universität promoviert. Seine Doktorarbeit schrieb er zum Thema soziale Mobilität in Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine Forschungsinteressen umfassen die Geschichte der Eliten in Ungarn zur Zeit des Staatssozialismus, Geistesgeschichte sowie die Sozialgeschichte der Roma.

Forschungsprojekt am Kolleg

In Ungarn wurde, einerseits unter politischem Einfluss und andererseits unter dem Einfluss internationaler Zwänge, die These der Modernisierung erstmals in den 1980er Jahren formuliert. Indem die Modernisierungsfunktion des Staates besonders betont wurde, erhofften sich Soziologen, Einfluss auf das politische Geschehen nehmen zu können. Zeitgleich schufen sie so jedoch eine legitime Basis für Reformen, die vom staatlichen System durchgeführt wurden. Allerdings bezog die These der Modernisierung - in Bezug auf ihre Genealogie und nicht ihre Gültigkeit - zahlreiche gesellschaftliche Akteure der Ära nicht mit ein. Menschen, die am Rande der Gesellschaft lebten, die Diskriminierten und die Außenseiter der Transformation - in anderen Worten diejenigen, die die Schärfe des Staatssozialismus erleben mussten - wurden vom Modernisierungskonzept vernachlässigt. Die Notwendigkeit eine Antwort auf die Frage zu finden, inwiefern es eine Beziehung zwischen der konzeptionellen Sprache der Sozialwissenschaften und dem Phänomen gibt, welches von den Zeitgenossen wahrgenommen wurde, führte dazu, dass Historiker die gesamte Terminologie (Konzepte und Interpretationen) neu überdachten. Das Projekt soll diesen Problembereich genauer erforschen und wendet hierfür Methoden der kritischen Diskursanalyse an. Ziel ist es, einen Überblick darüber zu geben, wie unser Wissen die Modernisierung des Staatssozialismus betreffend konstruiert wurde und Wege aufzuzeigen, durch die dieses Wissen kritisch geprüft werden kann.

Forschungsschwerpunkte

  • Alltagsgeschichte in Ungarn nach 1945
  • Sozial- und Kulturgeschichte der ungarischen Eliten nach 1945
  • Geschichte der ungarischen Soziologie, Begriffs- sowie Geistesgeschichte
  • Sozialgeschichte der Roma· Sozialgeschichte des Fußballs


Funktionen und Mitgliedschaften

  • Mitglied der Ungarischen Gesellschaft für Sozialgeschichte